Ich lerne Tricks

Bereits von Anfang an versuchte mein Frauchen, mich zu "erziehen", wie sie sagte. Na ja, eigentlich war ich ja schon zu alt und grunderzogen war ich auch (fand ich), aber Frauchen meinte, ich müsse noch ein paar wichtige Dinge lernen.

Seltsamerweise aber brachte mir Frauchen die Dinge völlig anders bei als mein früheres Herrchen. Wenn ich bei diesem nicht gleich kapierte, was er wollte, setzte es Prügel.

Frauchen machte es anders. Immer wieder zeigte sie mir, was sie wollte. Und wenn ich es richtig machte, gab es Lob und Leckerlis und ganz viele Streicheleinheiten.

Wenn ich es falsch machte, dann sagte sie nur "Nein" und schüttelte den Kopf. Manchmal sagte sie dann auch "Kleines Dummerchen" zu mir.

Eines Tages brachte Frauchen vom Einkaufen ein komisches Ding mit. "Clicker" nannte sie es. Sie hatte da irgend etwas in einem Buch gelesen und bei ihren Computerhundefreunden gehört, dass Hunde dieses Clicksding toll fanden. Also meinte sie, ich würde das auch toll finden.

Aber weit gefehlt!

Als erstes zeigte sie mir diesen Clicker. Na ja, er sah eigentlich ganz harmlos aus. Eckig und gelb und mit einer glänzenden Platte. Riechen tat er auch ungefährlich. So wartete ich gespannt, wie es nun weitergehen sollte.

Frauchen packte eine Schale mit Leckerli neben sich. "Fein, Leckerli!" freute ich mich und wedelte erwartungsvoll mit dem Schwanz.

Frauchen griff eines der Leckerli in eine Hand und dieses Clicksding in die andere. Sie zeigte mir das Leckerli (mir lief das Wasser im Maul zusammen), und dann... dann packte sie das Ding und drückte drauf.

Ein schrecklich lautes "Click" ertönte. Fast wie ein Gewehrknall!

Ich erschrak fürchterlich! Frauchen schoss! Ich sprang einen Riesensatz zurück, um mich in Sicherheit zu bringen!
Frauchen schaute mich etwas entgeistert an und lockte mich: "Na komm, Chica, hier, dein Leckerchen!" Vorsichtig näherte ich mich ihr. Dabei beäugte ich die Hand mit dem Clicksding argwöhnisch. Aber nichts geschah. Schnell packte ich den Leckerbissen und sprang wieder zurück.

Frauchen rief mich zu sich und ließ mich absitzen. Wieder zeigte sie mir ein Leckerli. Und wieder clickte es ganz schrecklich laut!

Ich hatte genug. Ich zog den Schwanz ein und rannte aus dem Zimmer. Nur weg von dem Clikker. Nur weg von diesem Geräusch.

Mein Frauchen kam mir nach. Sie sah recht verwirrt aus. "Hmmm", überlegte sie laut. "Ich glaube, das mit dem Clicker ist nichts für dich, oder?" Demonstrativ räumte sie den Clicker in den Schrank. "Da werden wir uns etwas ausdenken müssen!"

Einige Wochen später räumte sie den Clicker wieder aus dem Schrank. Ich erschrak. Sie würde doch nicht wieder...? Frauchen nahm den Clicker mit ins Badezimmer. Dort machte sie irgend etwas damit.

Dann ging sie ins Wohnzimmer und rief mich.

Mißtrauisch folgte ich ihrem Ruf. Sicherheitshalber blieb ich in einiger Entfernung von ihr und diesem gefährlichen Ding stehen.

Frauchen lachte: "Keine Angst, mein Schätzchen! Jetzt ist der Clicker völlig ungefährlich!"

Sie zeigte ihn mir. Dann drückte sie darauf. Ich war auf dem Sprung, bereit, aus dem Zimmer zu stürmen. Aber – es war nur ein leises, völlig ungefährliches "Plopp!" zu hören. Verblüfft schaute ich Frauchen an. Sie grinste.

Dann setzte sie sich auf ihre Couch, nahm schon einmal ein Leckerchen in die Hand, zeigte es mir und clickte. Na ja, eigentlich "ploppte" sie. Sofort hielt sie mir das Leckerchen hin. Ich nahm es.

Nach wenigen Versuchen war mir klar: immer wenn Frauchen ploppte, gab es ein Leckerchen.

Was das Ganze sollte, wußte ich aber immer noch nicht.

Ich hatte mich gerade daran gewöhnt, als Frauchen aufhörte, mir Leckerchen anzubieten. Sie schaute mich nur gespannt an. Ich schaute zurück. Was wollte sie nur?

Schließlich wurde mir die Sache zu langweilig. Ich legte mich hin. "Plopp" machte der Clicker, und ein Leckerchen landete vor meinen Füßen.

Ich sprang auf und futterte den Bissen. Dann schaute ich Frauchen fragend an. Aber sie sagte nichts.

Ich legte mich wieder hin. "Plopp" - Leckerchen. Hmmm. Wollte Frauchen denn, dass ich mich hinlege?

Ich machte den Versuch und legte mich erneut und schnell hin. Tatsächlich! Wieder "Plopp", wieder Leckerchen. Toll! Ok, Frauchen, ich hab's kapiert!

Immer wieder übten Frauchen und ich mit dem Clicker. Nach und nach änderte Frauchen ihre Aufgaben für mich. Zuerst wollte sie, dass ich mich hinlegte.

Nachdem das klappte, wollte sie, dass ich mich auf die Seite legte. Schließlich sollte ich mich über den Rücken rollen.

Es war nicht immer leicht herauszufinden, was Frauchen wollte. Ich musste mir Gedanken machen und ausprobieren.

Aber es war toll, wenn ich merkte, was sie sich von mir wünschte. Frauchen freute sich immer sehr, wenn ich richtig lag.

Und die Leckerchen waren natürlich auch nicht zu verachten.

Nach ein paar Tagen löste Frauchen eines der Leukoplastplättchen, mit denen sie den Clicker leiser gemacht hatte.

Das "Plopp" klang nun etwas lauter und strenger. Aber ich gewöhnte mich daran. So nach und nach wurden über mehrere Wochen die ganzen Plättchen entfernt. Schließlich machte der Clicker wieder "Click" statt "Plopp".
Aber ich fürchtete mich nicht mehr. Ok, manchmal erschrak ich noch, wenn ich nicht gesehen hatte, dass Frauchen den Clicker in der Hand hatte. Aber der Schreck war gleich wieder vorbei. Und Angst hatte ich nun keine mehr vor dem Geräusch.

Frauchens Papa meinte eines Tages zu ihr: "Du machst noch einen Zirkushund aus Chica!"

Nur, weil Frauchen mir ein paar Tricks beigebracht hatte, die nicht jeder Hund kann. Ich war stolz darauf, dass ich neben Sitz und Platz noch andere Sachen konnte!

Frauchen sagte auch, dass wir noch viele Sachen lernen können. Ich freute mich immer, wenn wir etwas Neues zu lernen anfingen!

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