Endlich ein Zuhause

Frauchen fuhr mich mit ihrem Auto in eine unbekannte Zukunft. Ich war allerdings zu müde, um mir darüber Gedanken zu machen. Zuviel hatte ich in den letzten Stunden erlebt, ich wollte eigentlich nur noch schlafen.

Schließlich hielt das Auto an und Frauchen stieg aus. Sie öffnete die zweite Tür und hob mich aus dem Wagen.

"Ich denke, wir gehen erst einmal Pipi machen. Das ist bestimmt nötig!" meinte Frauchen. Sie nahm mich an die Leine und führte mich ein Stück den Weg entlang.

Alles war fremd. Ich hatte schreckliche Angst. Wir kamen an eine Ecke, an der sich zwei breite Straßen kreuzten. Große und kleine Autos fuhren laut brummend an uns vorbei. Ich versuchte wegzulaufen. Aber Frauchen hielt die Leine fest in der Hand.

"Keine Angst, Mäuschen! Daran gewöhnst du dich schon! Und ich werde gut auf dich aufpassen, damit dir nichts passiert!" Ruhig und vertrauenerweckend klang die Stimme. Ich drängte mich an Frauchen.

Plötzlich unterbrach der Autostrom. "So, komm, wir können gehen!" Frauchen lockte mich über die Straße.

Auf der anderen Seite standen viele Bäume in einem breiten Streifen voller grünem Gras. Ich konnte Duftmarken von vielen fremden Hunden riechen. Ich war in einem fremden Revier. Sicherlich würden die Hunde gleich auftauchen und mich verjagen. Wo hatte mich Frauchen da nur hingebracht?

Ich blieb stehen. "Komm weiter!" lockte Frauchen. Sie schien keine Angst zu haben vor den anderen Hunden. Ich folgte ihr zwei Schritte, dann hielt ich erneut inne. Wieder erklang das "Komm weiter!"

So gingen wir einen ganzen Block entlang. Schritt für Schritt, langsam und vorsichtig. Endlich konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich musste einfach meine Geschäfte erledigen! "So ist's brav!" lobte Frauchens Stimme.

Dann drehten wir um und gingen den Weg zurück. Inzwischen war es fast dunkel geworden. Plötzlich öffnete der Himmel seine Schleusen: ein Platschregen durchnässte uns in kürzester Zeit!

Frauchen bückte sich und hob mich hoch. "Komm schnell ins Trockene!" Sie trug mich eilig über die Straße und an die Tür eines großen Hauses. Dort öffnete sie die Tür und trug mich mehrere komische Schrägen nach oben an eine weitere Tür. Hier stellte sie mich auf den Boden.

Klappernd drehten sich die Schlüssel im Türschloss. Dann öffnete sich die Tür. "Willkommen zuhause!"

Noch bevor ich mich umsehen konnte, holte Frauchen ein großes Tuch und rubbelte mein Fell trocken. Dann gab sie mir einen kleinen Klaps auf den Po: "So, jetzt kannst du dir alles ansehen!"

Ich folgte Frauchen in ein Zimmer. Überall roch es nach ihr. Das gefiel mir! Plötzlich stieg mir ein unbekannter Geruch in die Nase. Hmm. Seltsam. So etwas hatte ich noch nie erschnuppert. Neugierig versuchte ich herauszufinden, um was es sich handelte.

Es roch nach Tier. Irgendwie so ähnlich wie ein Kaninchen, aber doch anders. Dann entdeckte ich die Geruchsquelle: in einem mehrstöckigen Behälter saßen mehrere kleine Fellknäuel. Und die verursachten diesen Geruch.

Vorsichtig näherte ich mich dem Behälter. Was waren das nur für Tiere? "Muuuiiig!" Laute, komische Geräusche gaben sie von sich. Und sie bewegten sich sehr schnell! Ob ich sie wohl fangen könnte?

Frauchen hatte mich beobachtet. Ein festes "Nein!" stoppte mich mitten in der Bewegung. Frauchen griff mich am Halsband und führte mich näher an den Behälter. "Das sind meine Meerschweinchen", erklärte sie mir. "Die gehören zu mir und jetzt auch zu dir. Denen darfst du nichts tun!"

Na ja, wenn Frauchen meinte. Ich würde erst einmal abwarten. Vielleicht änderte sie ja auch noch ihre Meinung. Wo diese Tiere doch so laut schrien!

Ich schaute mich weiter um. Ein Platz roch besonders stark nach Frauchen. Ich sprang hinauf. "Nein, runter da! Das ist meine Couch, da hast du nichts zu suchen!"

Frauchen ergriff mich und setzte mich zurück auf den Boden. Dann nahm sie eine Decke und legte sie neben die Couch. Sie klopfte darauf. "Hier, das ist dein Platz! Morgen gehen wir einkaufen, dann bekommst du ein eigenes Bettchen. Im Moment muss die Decke genügen."

Ich schnupperte an der Decke. Auch sie roch nach Frauchen. Und weich und warm war sie. Vorsichtig legte ich mich hin. "So ist's brav!" lobte Frauchen.

Müde schloss ich die Augen. Der Kopf tat mir weh und ich wollte nur noch schlafen. Frauchen beobachtete mich.

"Hmmm, jetzt sollten wir uns mal einen Namen für dich überlegen. Pepita gefällt mir nicht. Irgendwas, was an deine Heimat erinnert, sollte es schon sein. Oder etwas, das zu deinem Aussehen paßt. Wie wär's mit Foxi?"

Ich reagierte nicht. Foxi war ein dummer Name, fand ich.

"Aha, also nicht. Wie wär's mit Nico? So als Erinnerung an Nicole, die uns zusammengebracht hat?"

Na ja, das wäre schon besser. Aber irgendwie gefiel mir das auch nicht.

"Ich glaub, ich hab's! Du bist doch ein Mädchen, nicht wahr? Wie wär's also mit den spanischen Wort für Mädchen? Chica?"

Ich stellte die Ohren und hob den Kopf. Chica! Hatte sie gerade Chica gesagt? So war doch mein Name!

"Na, das gefällt dir wohl? Also gut, dann heißt du ab jetzt 'Chica'!" Ich wedelte mit dem Schwanz. Ich hatte meinen richtigen Namen wieder!

Frauchen legte sich auf ihren Platz und schaltete einen grauen Kasten an. Musik und Stimmen ertönten, Bilder flackerten. Frauchen schaute sich das an und hörte zu. Komische Art, den Abend zu verbringen. Aber irgendwie auch gemütlich. Alles war so friedlich hier.

Ich seufzte tief und zufrieden. Frauchen lachte. "Ach Gott, du armer Hund! Wie hast du es doch so schwer bei mir!"

Später am Abend verschwand Frauchen in einem kleinen Raum und kam wenig später mit einem anderen Kunstfell am Körper wieder heraus. Sie gähnte. "Na, wie ist es? Gehen wir schlafen?"

Sie streichelte mir über den Kopf. Dann nahm sie die Decke, auf der ich gelegen hatte, und trug sie in ein anderes Zimmer. "Komm, Chica! Schlafenszeit!"

Ich folgte Frauchen in das Zimmer. Sie deutete auf die Decke. "Leg dich schön hin und träum was hübsches!" Sie streichelte mich noch einmal. "Gute Nacht, kleine Chica!"

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